Gedrucktes – Sebastiao Salgado „Genesis“

Sven Jankowski "Genesis"Im Vorfeld drangen schon einige Loblieder auf Sebastiao Salgado’s „Genesis“ an mein Ohr und nun konnte ich mir endlich selbst ein Bild davon machen. Um das Buch mal mit einem Wort zu beschreiben: Fett! Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Wälzer ist das Ergebnis eines über 8 Jahre lang andauernden Langzeitprojektes, dass die letzten Naturparadiese der Erde zeigen soll, kommt auf 520 Seiten daher (davon 17 ausklappbar), ist 36,2 x 25,3 cm groß und ca. 3,4 kg schwer.
Wie weit man bei der Produktion ins Detail gegangen ist zeigt, dass unter anderem großer Aufwand betrieben wurde, um die Bilder, die mit digitalen Kameras gemacht wurden, den analogen Material optisch anzupassen (nochmal nachzulesen im Vorwort und den Einleitungen zum Buch, in denen neben der Entstehungsgeschichte auch auf die Idee zum Projekt eingegangen wird).
Und wo wir schon mal bei den Bildern sind: sehr, sehr schöne, größtenteils ganzseitige schwarz/weiß Aufnahmen, die rein technisch gesehen nicht unbedingt perfekt sind, ihre „Mängel“ aber mit Würde tragen. Mag man davon halten was man will, mir persönlich gefällt dieser Stil.
Der Fokus liegt hier bei den Landschafts- und Naturaufnahmen (ich schließe Tierbilder hier einfach mal mit ein). Etwas weniger an Raum, aber nicht weniger beeindruckend, nehmen die Bilder einiger Naturvölker in dem Buch ein. Meiner Meinung nach haben die Aufnahmen einen eigenen Band verdient, hier sorgen sie für ein vollständiges Bild und die nötige Abwechslung.
Gegliedert ist das Ganze in 5 Kapiteln. Eines für jede Region, in denen Herr Salagado mit seiner Kamera unterwegs war. Bis auf die o. g. Einleitungstexte zum Buch und den einzelnen Kapiteln gibt es wenig zu lesen. Und das ist gut so. Beschreibungen zu den einzelnen Bildern lassen sich in einem beiliegenden Heft finden. Keine schlechte Lösung, wenn man mich fragt.
Nach all der anfänglichen Euphorie auch etwas Kritik. Ich hätte mir gewünscht, dass der ganze Aufwand und die ganze Energie, die in das Projekt gesteckt wurden, sich auch in der Verarbeitung des Buches widergespiegelt hätte. Zwar lösen sich bei meinem Exemplar nicht die Seiten aus dem Buch (was ich als Kritikpunkt in einer Rezession gelesen hatte), doch gibt es immer wieder ein unschönes Knacken beim Öffnen des Buches. Nun mag man das auf die Größe und das Gewicht zurückführen – dass es auch anders geht, zeigen andere Produktionen mit selbigen Ausmaßen. Eigentlich ist es nicht schlimm, aber doch ein kleiner fader Beigeschmack.
Trotz allem ein edler und empfehlenswerter Bildband.
Erwähnen sollte ich noch, dass es neben der Trade Edition (gebunden, 49 Euro deutsch / 39 Euro englisch) auch als Collector’s Edition  (2 Bände, 46,8 x 70cm groß, 704 Seiten, kommt mit Buchhalter in Kirschbaumfunier,  2500 Euro) und Art Edition (8500 Euro) erschienen ist. Wer’s mag und kann oder einfach nur seine Schwiegereltern gnädig stimmen möchte … sj
Mehr Info’s unter: Taschen
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Diese und andere Besprechungen in der Rubrik Gedrucktes.
  • Steffen Böttcher „Logbuch Vietnam“
  • 99pages “Leica myself
  • Kai Fagerström, Risto Rasa und Heikki Willamo “Die letzten Gäste – Das Leben in Verlassenen Häusern
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Dieser Eintrag wurde von frankbrehe veröffentlicht.

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